Musiker auf Reisen. Beiträge zum Kulturtransfer im 18. und 19. Jahrhundert / Hrsg. v. Ch.-H. Mahling [Manfred Sailer]

Musiker auf Reisen. Beiträge zum Kulturtransfer im 18. und 19. Jahrhundert / Im Auftrag der Deutschen Mozartstadt Augsburg hrsg. v. Christoph-Hellmut Mahling. – Augsburg: Wißner, 2011. – 220 S.: ca. 35 s/w-Abb., Notenbsp.
ISBN 978-3-89639-814-7 : € 19,80 (Pb.)

Wenn ein Musiker eine Reise tut, so kann er was erleben; aber auch Neues „erfahren“, sich fortbilden und darüber berichten. Das ist nicht nur heute so, sondern war auch in früheren Epochen eine Möglichkeit und geradezu Notwendigkeit für einen nach der höheren Muse strebenden Musikus, in seinem Metier weiterzukommen: das Studium bei den Meistern, die Steigerung des Bekanntheitsgrades mit Werbung in eigener Sache (Bewerbung, Auftritte, Geschäftskontakte) oder die Sicherung des Auskommens (bei umherziehenden Virtuosen) wären Gründe hierfür. Wie sich dieser Kulturkontakt und -transfer in Ego-Dokumenten oder indirekt auch in Kompositionen und zeitgenössischen Periodika niedergeschlagen hat, war vor zwei Jahren in Augsburg Inhalt einer kleinen und doch in mehrfacher Hinsicht „merkwürdigen“ Fachtagung – eingebunden in die Europäischen Mozartwege –, die in Anbetracht des (ohnehin wenig nötigen) Mozartgedenkens zumindest den Zeitraum von 1700 bis etwa 1850 behandeln sollte, und die sich inhaltlich überraschend alltagsbezogen ausnahm.
Zwölf exemplarische Beiträge, drei davon in englischer Sprache, widmeten sich den Gründen fürs Reisen (U. Konrad), wie schon angedeutet, dann Johann Adolph „Hasse´s Travels“ (R. Mellace), Christoph Willibald Glucks Wanderjahren (T. Gölz), den Reisen des Maestros Pietro Pompeo Sales (K. Böhmer), Wolfgang Mozarts Wegen 1789 nach Leipzig und Berlin (A. Morgenstern) und seinen Souvenirs aus Europa (C. Eisen), Joseph Haydns erster Englandreise (C. Siegert), dem Quellenwert des Regensburgischen Diariums für die terminliche Bestätigung bzw. Richtigstellung der Reisen von Haydn, Ludwig van Beethoven und Louis Spohr (D. Haberl), der Wanderbühne der Familie Weber (F. Ziegler), dem Reisealltag zu Zeiten Spohrs für die (Her)Ausbildung eines Solisten (C.-H. Mahling) und musikalischen Souvenirs von Felix Mendelssohns Schottlandreise (M. Hennemann) und beleuchteten damit bestimmte Personen oder Zugänge; im Anhang wird ein neues Editionsprojekt im Internet (In Mozart´s Words) mit den über 1400 Briefen der Familie Mozart vorgestellt, hier mit Focus auf Italien 1770–1773.
Mittels kleinerer Zwischenüberschriften, einiger Bilder, Abbildungen und Tabellen und einem beigeselltem Anmerkungsapparat eignet sich der Band sehr gut für eine Benutzung als Nachschlagemedium zum Thema des reisenden Musikers, ohne mit einem Register erschlossen sein zu müssen.
Den Initiatoren und dem Verlag hat man zu danken, dass sie eine Druckausgabe der Tagungsberichte – mit einigen substantiell neuen Erkenntnissen – zum Berufsalltag von bedeutenden, auch um manche Reise-Erfahrung reicher gewordenen Instrumentalisten und Komponisten nachgereicht haben.

Manfred Sailer
Regensburg, 06.12.2011

 

 

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