Die Bach-Quellen der Sing-Akademie zu Berlin

Die Bach-Quellen der Sing-Akademie zu Berlin: Katalog / Bearb. von Wolfram Enßlin. - Bd. 1: Katalog, Bd. 2: Historischer Überblick, Abbildungen, Register – Hildesheim: Olms, 2006 – 782 S. : 89 Abb. (Leipziger Beiträge zur Bach-Forschung ; 8.1 u. 8.2)
ISBN 3-487-13107-2 : € 86,00 (kt.)

Wovon man bisher nur aus Berichten über die alte Berliner Singakademie sowie aus kurzen Inventaren ihrer Musikalien, die früher schon von Historikern und Bibliothekaren erstellt wurden, wußte, ist hier nun, nachdem das Notenarchiv aus Kiew nach Berlin zurückgekehrt ist, in einem detaillierten Katalog aufgeführt und beschrieben.Die äußerst wertvolle Musikalienbibliothek der Sing-Akademie zu Berlin ist in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin deponiert, im etwas gespenstisch anmutenden Auftrag einer Institution, die es seit 1945 nicht mehr gibt – wenn man auch verschiedene Versuche in beiden Teilen der bis 1989 gespaltenen Stadt, sie wiederzubeleben, zwar künstlerisch ernstnehmen muß, es aber als fraglich ansehen darf, ob darauf ein etwaiger Nachfolgeanspruch gegründet werden könnte. Als ein wichtiges Kernstück dieser Bibliothek sind hier die Bachiana katalogisiert, also 1. das „Altbachische Archiv“ (Kompositionen aus der Bach-Familie vor Johann Sebastian Bach), 24 Quellen; 2. die Musikalien Carl Philipp Emanuel Bachs aus seiner Hamburger Zeit (1768–1788), 360 Quellen; 3. Kompositionen Wilhelm Friedemann Bachs aus seiner Berliner Zeit (1774–1784), 50 Quellen. Darüber hinaus sind, entlang der Reihenfolge, die die Bestände noch oder schon in Kiew hatten, viele Musikalien aus teilweise unbekannten Provenienzen aufgeführt, die noch aus der Gründungsära der Singakademie unter Carl Friedrich Fasch oder aus dem Nachlaß Friedrich Zelters stammen. Sie sind eigentlich nicht im engeren Sinne als Bachiana zu bezeichnen, sondern zeigen eher die Breite des musikalischen Interesses und der Sammeltätigkeit der Akademie-Leitung in der Phase bis zu Zelters Tod (1832). Die beschreibende Qualifizierung des Depositums ist schon weit gediehen. Die in diesen Katalog eingegangene Forscherarbeit führte zur Identifizierung einer großen Anzahl von Schreiberhänden und Wasserzeichen, die im 2. Band faksimiliert bzw. aufgelistet sind. Ein instruktiver Beitrag von Ulrich Leisinger gibt präzisen Aufschluß über die Geschichte des als Bach-Sammlung bezeichneten Teils des Notenarchivs der Singakademie. Konkordanzen und Register erschließen die Signaturen des Katalogs. Wenn es auch der segensreichen Tätigkeit des Leipziger Bacharchivs und seiner dort konzentrierten Forscher zu verdanken ist, daß deren wohl als privilegiert zu bezeichnender Zugriff auf das Berliner Depositum für eine wissenschaftliche Aufbereitung der Quellen effektiv und schnell genutzt wurde, so dringend ist es auch, die Quellen nun breiteren Kreisen von Musikern und Wissenschaftlern zugänglich zu machen, was durch eine Mikrofiche-Edition passiert, und den viel umfangreicheren weiteren Teil des Notenarchivs zu erschließen.

Peter Sühring
Zuerst veröffentlicht in FORUM MUSIKBIBLIOTHEK 27 (2006), S. 285f.

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