Florian Kreier: Maschinengesang – Der Zusammenhang zwischen Menschen, Maschinen und der Entstehung von Krautrock [Manfred Miersch]

Kreier, Florian: Maschinengesang – Der Zusammenhang zwischen Menschen, Maschinen und der Entstehung von Krautrock an ausgewählten Beispielen. Experimentelle Entwicklung des Krautrock am Beispiel von Popol Vuh, Can, Faust, Berliner Kosmikelektroniker und Kraftwerk – München: GRIN Verlag, 2010. – 20 S.
ISBN 978-3-640-91811-9 : € 12,99 (Pb.; auch als E-Book erhältl.)

Der GRIN Verlag empfiehlt: „Veröffentlichen Sie Ihr Fachbuch, Ihre Hausarbeit, Referat oder Diplomarbeit als eBook oder gedrucktes Buch in Tausenden Onlineshops und Buchhandlungen. Einfach, schnell, kostenfrei: Text hochladen und Autorenhonorare erhalten!“ (Website). So einfach ist das heute. In Abwandlung eines Zitates von Joseph Beuys könnte man sagen „Jeder Mensch ein Autor!“ In anderem Zusammenhang wird Joseph Beuys in Florian Kreiers Publikation erwähnt, dort erscheint er allerdings als „Joseph Beuss“ (S. 12). Weiterhin werden The Who “Tho Who” genannt (S. 7), der Film Fitzcarraldo ist als Fitzcacraldo gelistet (S. 9), der Regisseur Roland Klick wird zu „Roland Kick“ (S. 11), der Fußnotenziffer „2“ folgt die „34“ (S. 4), dann wieder die „5“, wobei sich der Bezug (nach Überprüfen mit der Quellenlektüre) weder zu Anmerkung „3“ noch „4“ herstellen lässt, zu „34“ sowieso nicht, denn die taucht erst (somit doppelt) auf Seite 12 auf. Angesichts dieses Chaos ist nicht mehr verwunderlich, dass beim Fachbegriff Musique Concrète der Accent grave fehlt (S.3) und dass hier und da dafür mal ein überflüssiges Wort eingestreut wird.
So ist das, wenn man eben mal was veröffentlicht und auf das Redigieren verzichtet wird, wozu braucht man schon einen Lektor, wenn es ohne „einfach, schnell, kostenfrei“ geht (s.o.)? Dies zur Form und nun zum Inhalt: wieso wird die Musique Concrete (s.o.) als „universitäres Phänomen“ bezeichnet (S. 3)? Dies ist nicht nachvollziehbar, auch nicht ohne Accent grave. Nicht zutreffend ist die verallgemeinernde Angabe „Synthesizer sind elektronische Tasteninstrumente“ (S. 6), denn gerade die berühmtesten Exemplare, die die Gattung begründeten, der weit verbreitete EMS VCS3 und die Buchla Box, verfügen über keine einzige Taste, bei Modularsystemen sind sie zur Klangerzeugung überhaupt nicht notwendig! Schlimmer noch: ein WahWah ist kein „Klangfilter, der die Frequenz des Signals im Panorama wechseln lässt“ (S. 8), sondern ein Filter in Pedalform, mit dem ein Frequenzbereich des Signals hervorgehoben wird. Aber es geht noch viel schlimmer: ein Theremin wird nicht gespielt „durch die Positionierung eines Gegenstandes zu einer Antenne“ (S. 6), sondern durch Annäherung der Hände! Die Broschüre Maschinengesang weist dermaßen viele Fehler und Ungenauigkeiten auf, dass der Platz diese aufzuzählen hier nicht ausreicht.
Dies ist sehr schade, denn die Frage „in wieweit der spezielle und kreative Umgang mit oder in Anlehnung an Maschinen für die Musik, das Selbstverständnis sowie das Image der Band entscheidend waren“ (S. 3) ist für ein Verständnis des Phänomens Krautrock unerlässlich. Mit dieser Hauptseminararbeit im Fachbereich Musikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, hätte sie beantwortet werden können. Stattdessen wurde eine auf wenige Quellen basierende Kurzzusammenfassung vorgelegt, die von völlig fehlendem technischen Verständnis und von großer Nachlässigkeit zeugt. Einige wenige gelungene Passagen gibt es, z.B. dort wo Florian Kreier eine Bestimmung der Genrebezeichnung Krautrock versucht (S. 4), ansonsten drängt sich die Frage auf: War der Autor beim Verfassen des Textes bekifft und/oder hat zuviel mp3-Files mit krautiger Kosmischer Musik downgeloaded und gehört?
Inhaltsverzeichnis

Manfred Miersch

Berlin, 24.03.2012

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