Hans Zender: Waches Hören. Über Musik [Barbara Wolf]

Hans Zender: Waches Hören. Über Musik / Hrsg. von Jörn Peter Hiekel – München: Hanser, 2014. – 176 S. (Edition Akzente)
ISBN 978-3-446-24613-3 : € 19,90 (kart.; auch als e-Book)

Mit der Textsammlung Waches Hören legt der Herausgeber Jörn Peter Hiekel eine gut aufeinander abgestimmte Sammlung von Vorträgen, Zeitschriftenbeiträgen und neuen Texten Hans Zenders vor, die sich letztendlich alle mit der Frage nach dem Verstehen und der Wirkung von Musik beschäftigen.
Hans Zender ist einer der profiliertesten Komponisten der Gegenwart, der sich zu allem Komponieren und Dirigieren auch noch theoretisch mit Musik auseinandersetzt und seine Gedanken dazu dankenswerterweise verschriftlicht. Nur wenige Komponisten der Gegenwart erlauben den Musikliebhabern einen tieferen Einblick in ihr „Denken“, das – zumindest laut Zender – bei jedem Kompositionsvorgang vorhanden ist.
Waches Hören – dieser Titel ist mehr als ernst gemeint, auch wenn der Leser sich beim ersten Durchblättern fragen mag, was Kulturpolitik in einem Buch mit diesem Titel zu suchen hat. „Hören ist ein schöpferischer Vorgang“, heißt es im Klappentext. „Immer geht es darum, in kreativer Eigenleistung das durch ein Musikwerk vorgegebene nicht nur auszuloten, sondern auch mit wachem Bewusstsein zugleich auch zu dem vorzustoßen, was jenseits der Musik liegt und vielleicht nur durch sie ausgedrückt werden kann.“
Dieser „schöpferische Vorgang“ des Hörens beinhaltet für Zender also nicht nur das bloße akustische Wahrnehmen, sondern alles, was an Denkprozessen mit der Musik verbunden ist: das „Denken“ bei der Komposition sowie bei der Interpretation, aber auch alles Gesellschaftliche, was mit der Musik verknüpft ist. So stehen Kapitel über Wahrnehmung und Stille, das Verstehen von Musik, philosophische Briefwechsel sowie Erläuterungen eigener Werke neben Aufsätzen über andere Komponisten wie Anton Bruckner oder Bernd Alois Zimmermann neben Kapiteln über die Musik anderer Kulturen, spirituelle Musik oder kulturpolitische Essays über die Verantwortung zur Förderung und Erhaltung des künstlerischen Schaffens. Zender schafft es, ohne Nachdruck deutlich zu machen, dass all diese Themen durchaus ihre Berechtigung haben, Teil dieses Buches zu sein, welches dem wachen Hören gewidmet ist.
Zender argumentiert leidenschaftlich und stiftet an, zu reflektieren. Sein klarer Stil liest sich angenehm, und die Vielzahl der angeschnittenen Themen in überschaubaren Kapiteln stiften zum immer wieder Hervorholen des Buches an.
Dies ist ein Buch, das Freude macht und aus dem man etwas lernen kann, auch wenn man kein Musikliebhaber ist. Waches Hören ist in allen Bereichen unserer heutigen schnellen Gesellschaft mit oder ohne Musik sinnvoll und hilfreich. Mit Musik ist es nur ungleich schöner. Unbedingt lesenswert!

Barbara Wolf
Heidelberg, 04.10.2014

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